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Shadowrunning GTA4

One of the things I recently noti­ced is that GTA actually gives you a fair amount of choice on how to do some mis­si­ons, but doesn’t really adver­tise the fact.

Play­ing the game after some time (and only few days after a Shado­wrun ses­sion), I went ahead and got to do the mis­sion “Dining Out”, where Yours Truly (on his ava­tar in this case, Niko Bel­lic) had to run a hit on one Kim Young-Guk. Young-Guk was dining at a place cal­led Mr. Fuk.

Warily, I drove Niko to the encoun­ter, inves­ti­ga­ting the site — a rather acces­si­ble and free-standing restau­rant. Tired of all pre­vious hit mis­si­ons, which mostly ended up in me cha­sing the per­son on bicy­cle or car most of the time, I deci­ded to try to be crea­tive. I went around the back, and indeed, in the par­king lot I found a motor­cy­cle and a PMP 600 (which is a remake of one of those Chrys­ler esta­tes). Fea­ring that this would exactly end up as I pre­dic­ted, I rang up Packie and got mys­elf a nice little car bomb.

Pla­c­ing this under the PMP 600, I went inside and sure enough, the stale air in the restau­rant had an unhe­althy dose of lead after a couple of seconds. So one kills all the goons, goes ups­tairs and talks (while sight­ing down along the sights of the gun) to the mana­ger, who said that Kim just fled out through the kit­chen. Of course.

Cha­sing Kim down, one bad­gers through the kit­chens, only to find that Korean bug­ger alre­ady having jum­ped down the fire escap, dod­ging into his PMP 600. One would then have to jump down after him and swing your­self unto the motorcycle.

Smir­king, I let Niko pull out his mobile phone and call (han­dily pre­selec­ted) the bomb, which promptly blows up the car and Kim with it. $13,250 ear­ned wit­hout having to break your neck on the motor­cy­cle and pro­bably crash into some­thing with a spec­ta­cu­lar slow motion scene.

The thing is that GTA often silently encou­ra­ges such beha­viour. There’s a few mis­si­ons where the city gets mission-specific instan­ces, thus undo­ing some chan­ges to the sce­nery you might have cau­sed. But more often than not, you can just start lay­ing traps if you eit­her sus­pect or know what’s going to hap­pen. Place bombs, blo­ckade exits with a lorry, ram down fen­ces to get other ways of access to a loca­tion, start sni­ping people from some totally dif­fe­rent loca­tion, or just go all Altaïr and shuf­fle to a site via the rooftops.

It’s fun, really.

Urlaub in Saarbrücken: Kapitel 4 — „Simulacrum“

Man­che sagen, daß es so ist, als würde man die Augen rich­tig auf­ma­chen und ein­fach auf­ste­hen. Andere den­ken ein­fach daran und sind sofort da. Für mich ist es eher, als würde ich mich selbst am Kra­gen packen und aus mei­nem Kör­per rauswerfen.

Egal, wie man es macht — man nennt es astrale Pro­jek­tion. Der Moment, wo der Magier sein ich nimmt und es auf die astrale Ebene bewegt, los­ge­löst von sei­nem Kör­per. Seine Bewe­gung wurde jetzt nicht mehr ein­ge­schränkt durch schwa­ches Fleisch und Mus­keln; nur seine Gedan­ken waren die Grenze für die Geschwindigkeit.

Tech­nisch gese­hen konnte man jeden Punkt der Welt in unter vier Stu­den errei­chen in der astra­len Ebene. Das Pro­blem war nur, daß die meis­ten Magier nicht viel län­ger aus­hiel­ten, und vor­her in ihren Kör­per zurück muß­ten — oder sie wür­den sich für ewig in der astra­len Ebene ver­lie­ren, um ein­fach zu verschwinden.

Aber all die tech­ni­schen Details bei Seite, selbst wenn sie so wich­tig sind und ich sie so liebe, so beschreibt es doch nicht die Rea­li­tät: wie wun­der­schön die astrale Ebene ist.

Die nor­male Land­schaft ver­blaßt. Auf der astra­len Ebene ist alles defi­niert durch die soge­nannte „Aura“, wel­che die Essenz von einem Lebe­we­sen wie­der­gibt. Mensch­li­che Arte­fakte haben auch eine Aura, aber sie sind eher schwach und sche­men­haft — einen Groß­teil der nor­ma­len Welt sieht man als sche­men­hafte, dunkle For­men, die zwar die Sicht ver­sper­ren, aber eher wie Kari­ka­tu­ren der Rea­li­tät wir­ken und wenig Wider­stand bie­ten — man kann sich pro­blem­los durch sie hin­durch­be­we­gen, wenn man will.

Aber alle Lebe­we­sen sind da und geben ihr eige­nes Licht ab. Der städ­ti­sche Sprawl wirkt oft recht farb­los und dun­kel, da er fast nur von Men­schen und der gele­gent­li­chen Pflanze erleuch­tet wird. Sobald man aber raus geht aus der Stadt und sich die Natur anschaut, so fühlt man sich, als würde man fast schnee­blind wer­den vor der Hel­lig­keit, die einem umgibt. Über­all Pflan­zen und Bäume und Tiere und Gras und… Man kann es ein­fach nicht ange­mes­sen genug beschreiben.

Vor allem schwer fällt es, die ande­ren Gefühle zu beschrei­ben, die man so hat. Wenn man merkt, wie die Kraft durch einen fließt, wenn das Mana in einer Gegend stark ist, oder wie hohl man sich fühlt, wenn sie schwach ist. So viele Sen­sa­tio­nen, die so schwer zu beschrei­ben sind.

Ich blickte mich um, und sah die blü­hende Natur, gestört von der sche­men­haf­ten Form des Vans, und die Auren mei­ner drei Kum­pa­nen. Bei Mirage war es deut­lich, daß sie magisch begabt ist; sie konnte zwar nicht auf die astrale Ebene schauen — oder tat es ein­fach nicht — aber wie das Mana durch sie durch floß und sie anrei­cherte, anstatt ein­fach nur da zu sein, war Anzei­chen genug.

Shirase hin­ge­gen war ein ekel­haf­ter Anblick, der mich erschüt­tern ließ. Er wirkte wie ein schwei­zer Käse, nur nicht annä­hernd so appe­tit­lich: über­all war seine Aura, die ein gan­zes Bild abge­ben sollte, abge­dun­kelt bis quasi nicht mehr vor­han­den. Die Cyber­ware durch­drang ihn, glitt fast alle sei­ner wich­ti­gen Mus­keln ent­lang, und machte ihn zu etwas, was bei wei­tem nicht mehr Mensch ist. Was Men­schen nicht alles tun, nur, um bes­sere Kämp­fer zu werden…

Ich ori­en­tierte mich. Ich wußte, wo die Anlage liegt, und flog schnel­ler als ein Blin­zeln dort­hin. Ich schwebte leicht über den Boden und machte mir einen Über­blick. Die Anlage stand wohl schon eine Weile da, also konnte ich halb­wegs Details aus­ma­chen über den Auf­bau. Im Prin­zip bestand es aus zwei gro­ßen Lager­hal­len, einem klei­nen Park­platz und eini­gen abge­le­ge­nen Ver­wal­tungs­ge­bäu­den. Zaun drum­herum, Tor im Zaun.

Was mich irri­tierte, war, daß so eine Anlage kei­nen magi­schen Schutz hatte. Natür­lich machte das den Run ein­fa­cher, und Magier kos­ten nun­mal Geld, aber ich hätte nicht erwar­tet, daß der Besit­zer nicht mal in pas­si­ven Schutz inves­tiert hat. Das machte mich irgend­wie skeptisch.

Als ich mich der Anlage sel­ber nähe, merkte ich auch, warum es viel­leicht schwer war, magi­sche Hilfe zu bekom­men: ein rich­tig kran­kes Gefühl stieg in mir auf. Ich fühlte mich übel und dre­ckig, und die Gegend wirkte gif­ti­ger, je näher ich an die Lager­hal­len kam. Offen­bar wurde hier schon so lange die Umwelt ver­schmutzt, daß es auch auf das Mana abfärbte.

Nähere Inspek­tion ergab, daß es auch Patrouil­len gab, die umher lau­fen. Zusätz­lich paß­ten zwo Wachen auf das Tor auf. Als ich mir das Ver­wal­tungs­ge­bäude näher anschaute, fand ich schein­bar auch den Wach­raum; inter­es­san­ter­weise war dort ein MG auf­ge­baut, wel­ches auf den Innen­hof zeigte. Für mei­nen Geschmack eher eine eigen­ar­tige Wahl.

An die Lager­hal­len wollte ich mich nicht ran­trauen — sie waren mir zu wider­lich. Etwas in mir sträubte sich ein­fach, mich ihnen zu nähern. Ich schaute mich lie­ber noch nach ande­ren Wegen in die Anlage um.

Am Nord­rand wurde ich fün­dig, quasi direkt gegen­über des Ein­gangs. Hier lagen noch Trüm­mer eines alten Gebäu­des rum, in wel­chem es etwas wie eine Explo­sion gege­ben haben mußte, vor nicht all zu lan­ger Zeit. Es gibt noch einen gro­ben Schat­ten des eigent­li­chen Gebäu­des an die­sem Ort, der aber schon sehr schwach war, und halt die aktu­el­le­ren Trüm­mer, die sich in der Gegend ver­teilt haben, und das Gebäude schein­bar aus­höhl­ten, bevor es zusam­men­fiel. Warum diese Trüm­mer noch da lagen konnte ich mir nicht erklä­ren; inzwi­schen kann ich mir den­ken, daß sie wahr­schein­lich kei­nen pro­fes­sio­nel­len Ent­sor­ger gefun­den haben, der dis­kret und güns­tig war.

Unter die­sem Bau­werk auf jeden Fall führte ein alter Ent­wäs­se­rungs­schacht raus… Er war größ­ten­teils von Gras ver­deckt, so daß man ihn nicht ein­fach so sieht. Ich merkte es daran, daß die Luke, wel­che drau­ßen den Zugang zum Schacht erlaubte, wie ein schwar­zes Loch zwi­schen dem gan­zen Licht der Natur auf­leuch­tete — einer der vie­len Vor­teile davon, bes­ser zu sein als der Rest der Menschheit.

Ein kur­zes Her­lang­flie­gen zeigte, daß bis auf einen Crit­ter da unten wahr­schein­lich nichts war. Wei­ter in die Anlage rein war der Kanal ein­ge­stürzt, aber zum Glück gab’s nicht unweit davor noch eine Luke, die wie­der nach oben führte — hin­ein ins Gelände. Jackpot.

Mehr wollte ich jetzt auch nicht erkun­den, die wich­ti­gen Sachen hatte ich her­aus­ge­fun­den, und für mehr will ich Unter­stüt­zung dabei haben. Ich bewegte mein astra­les ich zurück zu mei­nem Kör­per und sank wie­der hinein.

So befrei­end es auch war, aus dem Kör­per hin­aus­zu­tre­ten, um so schlech­ter fühlte man sich, wenn man wie­der hin­ein mußte. Man gab eine schier uner­meß­li­che Frei­heit auf, und das meist nicht nur aus freien Stü­cken, son­dern nein, weil man wußte, daß man auf der astra­len Ebene nur ein regel­mä­ßi­ger Gast, und eben kein Bewoh­ner. Das Ich eines Magi­ers hielt es nicht aus, für län­gere Zeit abwe­send vom Kör­per zu ver­wei­len, wel­cher ihm als Ener­gie­quelle dient, und gleich­zei­tig dafür sorgte, daß man in der mate­ri­el­len Welt ver­an­kert war. Man hatte etwas Spiel, aber man fühlte sich trotz­dem angekettet.

Und so raffte ich mich lang­sam wie­der in mei­nem Kör­per auf, wäh­rend die leben­dige Welt zu ihrer nor­ma­len Tris­tesse ver­blaßte und ich mich fühlte, als wür­den mir Scheu­klap­pen auf­ge­setzt. AR-Hinweise und –Mar­kie­run­gen tauch­ten wie­der in mei­nem Sicht­feld auf, und ich war zurück in der Welt der kal­ten Technologie.

Ich schaute die ande­ren Run­ner an; Mirage nickte wis­send, aber die ande­ren bei­den waren leicht geschockt von der gan­zen Sache. Ein Grin­sen rutschte auf mein Gesicht.

„Ich weiß, wie wir reinkommen.“

Urlaub in Saarbrücken: Kapitel 3 — „Casting”

Die Heim­fahrt war ereig­nis­los. Meine Grow­ler wurde nicht geklaut aus dem Park­haus, der Regen hatte nach­ge­las­sen; alles war ruhig, als ich mich vom Motor­rad schwang und mei­nen Helm abzog.

Mal wie­der strahlte mir die AR ent­ge­gen. Hier drau­ßen war es schon ziem­lich ruhig, aber doch war alles wich­tige sub­til erleuch­tet; eine Wer­be­ta­fel für den neuen Suki Redflower-Film bot mir sofort einige AR-Links zu Rezen­sio­nen, Matrix­zi­nes und sons­ti­gem Dreck an. Am Him­mel sah ich noch die Wet­ter­vor­her­sage für Mor­gen; Regen.

Mit der Weile gewöhnt man sich an diese Infor­ma­ti­ons­über­la­dung. Es ist eher sowas wie das Rau­schen einer Lüf­tung, wel­ches man nicht mehr bewusst wahr­nimmt. Man merkt es eigent­lich erst, wenn es fehlt.

So auch, als mein Com­link die Haus­tür auf­machte und ich den Weg zu mei­ner Woh­nung hoch­ging. Der Ver­mie­ter war seit dem Crash 2.0 nicht auf den AR-Zug auf­ge­sprun­gen — keine vir­tu­el­len Klin­gel­schil­der, keine in der AR nach­ge­zeich­ne­ten Trep­pen­stu­fen und Flucht­wege, kein nichts. So sehr ich mich doch auf dem Fisch­markt gegen diese Reiz­über­flü­tung beschwerte — sie war ein Teil von mir. Nicht umsonst habe ich, gerade ich und genau ich, einen im Kopf implan­tier­ten Com­link, den ich mit der Kraft mei­ner Gedan­ken steu­ern kann.

Ich stapfte die Trep­pen­stu­fen hoch, fiel durch meine selbst­en­rie­gelnde Haus­tür und sackte müde auf dem Sofa zusam­men. Die AR mei­ner Woh­nung begrüßte mich; klas­si­sche Musik ertönte aus mei­ner Ste­reo­an­lage, und die Kaf­fee­ma­schine sprang an — und meckerte gleich­zei­tig dadrü­ber, daß die Kaf­fee­vor­räte zu neige gin­gen, und schrieb den Bedarf auf die Einkaufsliste.

Ein Schmun­zeln schlich sich auf mein Gesicht, als ich mir dachte, was wohl Anna, die junge Scha­ma­nin von letz­tens, den­ken würde. Sie würde wahr­schein­lich ange­wi­dert das Haus ver­las­sen, wenn sie bemerkte, was der Sinn hin­ter der gan­zen moder­nen Elek­tro­nik in mei­nem Haus war. Der woh­lige Geruch von Kaf­fee aus der Küche lockte mich.

Schlür­fend über­prüfte ich meine Nach­rich­ten; nichts beson­de­res war pas­siert wäh­rend er auf dem Tref­fen mit dem Schmidt war.

Ich ließ das Tref­fen men­tal Revue pas­sie­ren; nach dem omi­nö­sen Satz des Schmidt wurde uns erklärt, daß wir im Rah­men unse­rer Nach­for­schungs­auf­ga­ben auch das Kame­ra­team für die Repor­te­rin Vicky Vance spie­len dürf­ten, die in der Anlage nach Spu­ren ille­ga­ler Machen­schaf­ten suchen will. Ich wusste nicht, ob man ihr auf­ge­tra­gen hatte, den Dreck am Ste­cken des Ziel­kon­zerns zu fin­den, oder ob sie es ein­fach nur wegen der Publi­city machte.

Zum Glück konnte ich die Rolle des Kamera-Bongos auf unsere komi­sche Elfin abwäl­zen. Sie nennt sich “Mirage”, und ist ihres Zei­chens Adep­tin. Rück­grat hat sie nicht wirk­lich wel­ches, aber es ver­wun­derte mich trotz­dem, daß auf einem so klei­nen und harm­lo­sen Run gleich zwei Mal magi­sches Talent vor Ort war.

Gene­rell fand ich die Aus­wahl mei­nes Teams etwas unglück­lich; der Cyber­sam, Shirase, war ein biss­chen dumm im Kopf, aber er wird ja dafür bezahlt, schnell zu sein und schie­ßen zu kön­nen — und das kann er. Aber sonst war das Team blank — wir hat­ten nicht mal einen Hacker, der uns deckt. Ich hatte mir dann von Dutch Kon­takt zu einer Dame namens “Net­Cat” ver­mit­teln las­sen, wel­che uns hel­fen könnte, wenn wir irgend­was zu erle­di­gen haben, was gehackt wer­den muss. Aber ich hätte einen ech­ten, rei­nen Hacker von uns allein doch begrüßt.

Ich hatte mich dann noch ein biss­chen mit der Adep­tin unter­hal­ten, weil ich her­aus­fin­den wollte, was sie so kann — und es stellte sich her­aus, daß es nicht wirk­lich viel war. Mirage war eine die­ser “mys­ti­schen Adep­tin­nen”, die sowohl zau­bern kön­nen als auch über ver­bes­serte kör­per­li­che Fähig­kei­ten besit­zen. Sprich sie war ein unfä­hi­ges Halb­blut, wel­ches keine der bei­den Künste rich­tig konnte. Ver­dammt noch mal, sie konnte nicht mal die Astra­l­ebene wahrnehmen.

Nach die­ser her­ben Ent­täu­schung (denn sie sah schon ziem­lich gut aus) machte ich mich auch schnell nach Hause auf. Es gab’ in der Yel­low Flag jetzt nichts mehr, was mich hal­ten würde — und warum sollte ich meine Zeit dort mit den Mun­dä­nen ver­schwen­den? Es gibt Wich­ti­ge­res zu tun.

Ich stellte mir einen Wecker auf die rich­tige Zeit Mor­gen früh, wäh­rend ich schon mal den Waf­fen­händ­ler mei­nes Ver­trau­ens über eine sichere Ver­bin­dung ansprach. Irgendwo musste ich ja noch die Gel­mu­ni­tion bis Mor­gen her­be­kom­men. Ein kur­zes Gespräch spä­ter, eine kleine Über­wei­sung, und Mor­gen früh würde am übli­chen Platz meine Muni­tion depo­niert sein; ich könnte sie auf dem Weg zum Treff­punkt aufsammeln.

Alles wich­tige erle­digt machte ich es mir mit etwas Essen gemüt­lich auf dem Sofa. Die Nacht war noch lang, und ich mußte mich wei­ter mei­nem Lieb­lings­thema wid­men: mei­ner Arbeit zur ver­ein­heit­lich­ten Magie­theo­rie. Irgend­wann muss ich mit dem dum­men Ding ja mal fer­tig werden.

Der nächste Mor­gen begann viel zu früh für mei­nen Geschmack. Mit Hilfe eines Wach­ma­chers war ich jedoch schnell wie­der auf den Bei­nen und suchte mir die Aus­rüs­tung für den Run zusammen.

Kurze Zeit spä­ter hatte ich meine Feld­hose und –jacke aus MET2000-Altbeständen an und zog mir die gepan­zerte Weste über. Dabei ver­hed­derte ich natür­lich die Kapuze mei­nes unter­ge­zo­ge­nen Kapu­zen­pull­overs wie­der unter der Weste, typisch. Meine Steyr TMP wan­derte in den Hols­ter im Kreuz, wäh­rend ich die Ingram Smart­gun X mit ihren Gecko­st­rei­fen ein­fach an die Weste klebte; eine Fang­s­chnur sorgte dafür, daß sie nicht viel­leicht doch noch runterfállt.

Ich schnappte mir noch schnell mei­nen Ruck­sack, in dem ich den wich­ti­gen Klein­scheiß für’n Run drin hatte (Was­ser, Med­kit, Seil, und ande­ren Kram, den Leute immer ver­ges­sen). Und meine Crux, die Tasche mit dem Psy­cho, wan­derte vor­sichts­hal­ber auch mit rein. Ich hoffte zwar nicht, daß ich es neh­men müsste, aber man ist ja lie­ber vor­be­rei­tet. Als letz­ten warf ich noch mein Regen­cape über, wel­ches allein durch seine Auf­fäl­lig­keit für Anony­mi­tät sorgte — und prak­ti­scher­weise die Waf­fen vor all zu neu­gie­ri­gen Zuschau­ern verbarg.

So gewapp­net ging ich aus dem Haus und machte mich auf zum Treffpunkt.

Kurze Zeit spä­ter fand ich mich mit den ande­ren Run­nern und einer ner­vi­gen Repor­te­rin in einem Van, der sich selbst über die Auto­bahn gen Duis­burg steu­erte und so unauf­fäl­lig war wie jeder andere nicht schwarz ange­malt Van mit ‘ner Auf­schrift auf der Seite.

Diese Repor­te­rin Vicky war genau das, was ich befürch­tet hatte: eine ziem­lich hohle Tussi. Blond, begra­ben unter Make-up und auch sonst ein­fach nur auf­ge­ta­kelt. Wir sol­len uns irgendwo rein­schlei­chen, aber trotz­dem trug sie glit­zern­den Schmuck und auf­fäl­lige, helle Kla­mot­ten, die sich nur vor einer Kame­ra­l­inse gut machen. Immer­hin hatte sie etwas Ahnung von der Mate­rie — sprich: was es heisst, Repor­ter zu sein — aber sonst wollte man sie am Liebs­ten wegen ihrer Dumm­heit wegsperren.

Anstatt also mit den ande­ren, die auf den Sit­zen des Vans sich unter­hiel­ten, warm zu wer­den machte ich das, was wir Magier häu­fig tun: schla­fen. Zum einen brauch­ten wir das zum Wie­der­her­stel­len unse­rer Kraft, zum ande­ren war es eine her­vor­ra­gende Methode, um alles Ner­vige zu umge­hen, mit dem Deck­man­tel einer guten, mis­si­ons­kri­ti­schen Funk­tion. Ich döste also lang­sam weg.

Zusam­men­ge­fasst: meine Fahrt nach Duis­burg war ruhig und ange­nehm. Jedoch sag­ten mir die Gesich­ter der ande­ren, als der Wagen unsanft anhielt und ich dadurch geweckt wurde, daß sie am Liebs­ten echte Muni­tion in den Waf­fen hätten.

Wir stan­den auf einer Straße irgendwo am Rande von Duis­burg. Dank mei­nem ein­ge­bau­ten Comm­link und GPS wusste ich natür­lich genau, *wo* ich bin, aber ich konnte dem “hier” ein­fach nichts zuord­nen. Ich sah halt ein­fach nur diverse Men­gen von Land­schaft. Etwas Wald­stück hier, Teile einer gro­ßen Indus­trie­farm da, und irgendwo dazwi­schen das Stück Asphalt, auf dem wir uns befanden.

Inzwi­schen hatte ich auch die AR-Informationen über unse­ren Ziel­ort, eine che­mi­sche Lager­an­lage eines unwich­ti­gen klei­nen Kon­zerns, von Vicky geschickt bekom­men. Die Anlage war circa zwei Klicks von hier ent­fernt, und wir muss­ten durch den omi­nö­sen Wald vor uns. Immer­hin etwas Deckung.

Eine gewisse Rat­lo­sig­keit stellte sich ein. Vicky sah uns Run­ner erwar­tungs­voll an, und die Run­ner waren alle sub­til unsi­cher, was sie machen soll­ten. Ich seufzte und bedau­erte es, daß ich auf der Fahrt nicht mehr gemacht hatte als am Anfang die Commlink-Zugänge zu tei­len und so ein tak­ti­sches Netz aufzubauen.

Aber der ein­zige Vor­teil davon war bis­her nur der Mar­ker am Rande mei­nes Sicht­fel­des, der die Rich­tung zum Ziel angab.

Der Wind wehte und liess Mira­ges Man­tel im Winde auf­flat­tern. Shirase stand unbe­ein­druckt in sei­nem irgend­wann ange­leg­ten Cha­mä­leo­n­an­zug dar — hat er sich wäh­rend der Fahrt umge­zo­gen? — und Vicky frös­telte ganz offensichtlich.

Der Wind legte sich wie­der. Alle schau­ten bedröp­pelt zu Boden. Das kann ja hei­ter wer­den, dachte ich mir.

Ich lehnte mich gegen den Van, wäh­rend die ande­ren mich ver­wirrt anschau­ten. Ich schaute leicht amü­siert zurück. “Ich fange dann schon mal mit aus­kund­schaf­ten an”, meinte ich nur. “Und wie gedenkst Du, das zu tun?” fragte Shirase. Mirage schaute mich nur etwas komisch an; ich denke, dass sie etwas ver­mu­tet hatte.

Grin­send ent­spannte ich mich. Ich zog mich in mei­nen Kör­per zurück, und machte etwas, was nur schwer zu beschrei­ben ist: ich ver­liess ihn.

Urlaub in Saarbrücken: Prolog

Diese Worte schreibe ich in der Gewiss­heit, dass sie jetzt doch nicht meine letz­ten sein wer­den. Ich sitze auf dem Bei­fah­rer­sitz unse­res Gelän­de­wa­gens, wäh­rend wir uns durch die öde Land­schaft süd­lich von Saar­brü­cken bewe­gen. Wir wir­beln viel Staub auf, aber darum machen wir uns gerade keine Sor­gen. Die MET ist damit beschäf­tigt, nörd­lich von uns dafür zu sor­gen, daß die Kon­zerne auch alle brav zuein­an­der sind; sonst wird uns kei­ner mehr behelligen.

Sollte es doch noch leicht­sin­nige Stra­ßen­räu­ber geben, naja, wir haben alle keine Lust mehr, noch freund­lich zu sein. Wir wol­len nach Hause.

Unsere Mis­sion hier war erfolg­reich, und ent­ge­gen mei­ner Erwar­tun­gen leben wir alle noch. Und sobald wir sicher im LKW nach Zwei­brü­cken unter­wegs sind, kön­nen wir uns dar­auf freuen, mit gut gefüll­ten Taschen aus der Son­der­rechts­zone Saar-Lorraine-Luxembourg zurückzukehren.

Wer die­ses Vor­wort liest wird sich natür­lich fra­gen, wovon ich hier erzähle.

Mein Name ist Michael Amsen — zumin­dest steht dies so auf mei­ner aktu­el­len SIN. Mei­nen ech­ten Namen werde ich für mich behal­ten. Wer will, darf mich Mus­pel nen­nen. Der Name ist im Schat­ten noch recht unbe­kannt. Das wird sich aber ändern, sobald die Leute Wind davon bekom­men, was wir abge­zo­gen habe.

Ich bin ein Shado­wrun­ner. Ich erle­dige die Auf­träge, wo die gro­ßen Kon­zerne es sich nicht leis­ten kön­nen, invol­viert zu sein. Sabo­tage, Spio­nage, Ent­füh­rung, Ermor­dung — das ist mein Metier.

Und somit kom­men wir auch zu der Geschichte, die ich hier ver­su­chen werde, zu reka­pi­tu­lie­ren. Natür­lich ist diese Geschichte nur so gut, wie mein Gedächt­nis mir erlaubt. Auch wenn ich inzwi­schen rei­fer bin, so werde ich doch einige der Bei­spiele mei­ner Unreife in mei­ner Erzäh­lung auf­be­wah­ren. Viel­leicht amü­siert es den ein oder anderen.

Aber ich schweife ab. Es fing alles an einem lauen Herbst­abend im Sep­tem­ber 2070 an, als ich von mei­nem Schie­ber eine inter­es­sante Nach­richt erhielt…

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  • Seitlich auf die A4 zu fahren und die LKW in zwei Reihen sich auf das Kreuz West zustauen sehen. [towo]
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